An der Küste der Stadt Nichinan in der Präfektur Miyazaki, auf den steilen Klippen, die von den rauen Wellen des Pazifiks umspült werden, befindet sich ein in der Welt einzigartiger jinja: der Udo Jingu. Der Anblick seiner leuchtend zinnoberrot lackierten Haupthalle (honden), die perfekt in eine riesige natürliche Felsgrotte (eine Brandungshöhle) eingebettet ist, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: „mystisch“.
Dieses Mal stellen wir Ihnen detailliert Legenden vor, die Sie bei einem Besuch dieses Ortes unbedingt kennen sollten, faszinierende Hintergrundgeschichten, die Sie unbedingt weitererzählen möchten, und sogar Informationen zu einem Pilgerort für Anime-Fans.
Das Geheimnis der drei großen „absteigenden Schreine“ Japans
Normalerweise befinden sich japanische jinja oft auf Bergen oder am Ende einer Treppe, doch der Udo Jingu ist das Gegenteil. Er verfügt über eine sehr seltene Struktur, bei der Besucher den Pilgerweg (sando) „herabsteigen“, um zu beten. Er wird zusammen mit dem Ichinomiya Nukiho Jinja in Gunma und dem Kusakabe Yoshimi Jinja in Kumamoto als einer der drei großen „absteigenden Schreine“ Japans gezählt.
Warum steigt man hinab? Weil diese Höhle der Überlieferung nach der Ort der Geburtshütte ist, in der die Hauptgottheit (shusaijin), Hikonagisatakeugayafukiaezu no Mikoto, geboren wurde. Da der heilige Ort, an dem der kami geboren wurde, eine Höhle unter einer Klippe war, steigen wir die Treppe zu ihm hinab.
Die Legende der Toyotama-hime und die Liebe des „Ochiiwa“
Im Udo Jingu lebt eine herzzerreißende und doch warme Legende mütterlicher Liebe fort.
Toyotama-hime, die Tochter des Meeres-kami, besuchte diesen Ort, um ihr Kind mit Yamasachihiko zur Welt zu bringen. Doch sie setzte ein, bevor das Dach der Geburtshütte mit Kormoranfedern gedeckt werden konnte (dies ist der Ursprung des Namens der verehrten Gottheit).
Toyotama-hime bat ihren Mann: „Bitte schauen Sie auf keinen Fall während der Geburt hin.“ Doch Yamasachihiko erlag der Versuchung und spähte. Was er sah, war die Prinzessin in ihrer wahren Gestalt, ein großer Hai (oder Krokodil), die in Schmerzen litt.
Aus Scham, weil ihre wahre Gestalt gesehen worden war, verließ die Prinzessin ihr neugeborenes Kind und kehrte ins Meer zurück. Doch sie machte sich solche Sorgen um das zurückgelassene Kind, dass sie ihre Brüste an die Höhlenwand drückte. Das sind die „Ochiiwa“ (Milchfelsen), die sich noch heute tief in der Höhle befinden.
Noch heute tropft unaufhörlich Wasser von diesen Felsen, und es besteht der Glaube, dass das Lecken von „Ochiiwa-ame“ (Milchfelsen-Bonbons), die aus diesem Wasser hergestellt werden, einen mit einer sicheren Geburt und erfolgreicher Kindererziehung segnet.
Die herzerwärmende Hintergrundgeschichte des „Undama Nage“ mit den einheimischen Kindern
Wenn es um die Spezialitäten des Udo Jingu geht, dann ist es der Glücksversuch (undameshi), bei dem man „undama“ (Glücksbälle) in eine Vertiefung auf dem Rücken eines schildkrötenförmigen Felsens (Kameishi) wirft. Männer werfen mit der linken Hand, Frauen mit der rechten, und es heißt, wenn der Ball erfolgreich in die Vertiefung landet, geht der Wunsch in Erfüllung.
Tatsächlich wurden diese Undama früher als „osaisen“ (Opfermünzen) geworfen. Doch in den 1940er Jahren stiegen immer wieder einheimische Grundschulkinder auf die gefährlichen Felsen unterhalb der Klippe, um heruntergefallenes Geld aufzuheben, und viele kamen ständig zu spät zur Schule.
Der damalige Oberpriester (guji) sah dies und entwickelte zum Wohl und zur Sicherheit der Kinder die „undama“ aus gebranntem Ton. Auch heute noch werden diese Undama von einheimischen Grund- und Mittelschülern sowie deren Eltern liebevoll von Hand gefertigt, und die Einnahmen werden zur Unterstützung der Schulgebühren und Klassenfahrten der Kinder verwendet.
Anime-Pilgerreise: Spuren von ‚Suzume no Tojimari‘
Die Präfektur Miyazaki, in der sich der Udo Jingu befindet, hat als Schauplatz, an dem die Geschichte von Makoto Shinkais Film ‚Suzume no Tojimari‘ beginnt, große Aufmerksamkeit erregt.
Die im Film erscheinende „Tür in den Ruinen“ und der Hafen von Aburatsu, der als Vorbild für den Hafen gilt, von dem aus die Protagonistin Suzume ihre Reise antritt, befinden sich in der Nähe des Udo Jingu in der Gegend von Nichinan. Insbesondere die einzigartige Landschaft des Udo Jingu mit seinem Schreingebäude (shaden) in einer Höhle und die Küstenlinie mit ihren bizarren Felsformationen wurden unter Fans zum Gesprächsthema, da sie die fantastische Welt des Films heraufbeschwören.
Darüber hinaus sind im nahegelegenen „Michi-no-Eki Nangoh“ (einer Raststätte) Objekte wie der im Film vorkommende „gelbe Stuhl“ und die „rosa Tür“ aufgestellt, was es zu einer beliebten Anime-Pilgerroute macht, die man zusammen mit dem Udo Jingu besuchen kann.
Hinweise für den Besuch
Im Inneren der Höhle hallt das Rauschen der Wellen wider, und sie ist von einer Stille und Feierlichkeit umgeben, die den Trubel draußen vergessen lässt. Machen Sie beim Besuch unbedingt einen Spaziergang bis zur Rückseite der Haupthalle (honden). Dort erwarten Sie nicht nur die „Ochiiwa“, sondern auch der „Nade-Usagi“ (Streichelhase), dem man nachsagt, dass er Wünsche erfüllt, wenn man ihn streichelt.
Der Udo Jingu, wo die spektakuläre Aussicht auf das Hyuga-nada Meer und alte Mythen noch lebendig sind. Sobald Sie ihn besuchen, wird Ihr Herz zweifellos von seiner überwältigenden Energie gereinigt werden.
