Goldener Teppich und 44 Säulen, die eine Schönheit der Heian-Zeit weben: Das Geheimnis und der Reiz des Shingū Kumano Jinja in Kitakata.

In Kitakata City, Fukushima Prefecture, einer Stadt, die für ihre alten Lagerhäuser („Kura“) bekannt ist, befindet sich ein Ort, der in der Geschichte der japanischen Architektur als „Wunder“ bezeichnet wird. Es ist der Shingu Kumano jinja. Sobald Sie ihn betreten, umgibt Sie eine überwältigende Stille und Schönheit, als wäre die Atmosphäre der Heian-Zeit dort eingefroren worden.

Grundlegende Informationen

– Standort: 2258 Shingu Aza Kumano, Keitokucho, Kitakata City, Fukushima Prefecture
– Hauptsehenswürdigkeiten:
– Nagatoko: National wichtiges Kulturgut. Eine Gebetshalle (Haiden), die den Stil der Shinden-zukuri-Architektur aus der späten Heian-Zeit bewahrt.
– Ōichō (Großer Ginkgo-Baum): Von Kitakata City ausgewiesenes Naturdenkmal. Ein riesiger Baum, etwa 800 Jahre alt und ca. 30 Meter hoch.
– Schatzhaus: Beherbergt unter anderem eine „Kupferschale“ (dōbachi), ein national wichtiges Kulturgut, und eine „hölzerne Manjushri-Bodhisattva-Statue auf einem Löwen“ (mokuzō Monju Bosatsu kishishizō), ein präfektural ausgewiesenes Kulturgut.
– Anreise: Etwa 10 Minuten mit dem Auto vom JR Ban’etsu-Sai-Linie „Kitakata Station“ entfernt, oder mit dem Bus bis zur Haltestelle „Shingu (Nagatoko)“.

Episoden, Legenden, Mysterien

1. Das Rätsel des ‚Nagatoko‘ ohne Wände oder Türen

Das ‚Nagatoko‘, ein Symbol des Shingu Kumano jinja, hat eine sehr ungewöhnliche Struktur: 44 dicke runde Säulen sind in gleichen Abständen angeordnet und tragen lediglich ein riesiges Strohdach. Es gibt keine Wände oder Türen, und alle vier Seiten sind offen. Wofür wurde dieses Gebäude ursprünglich gebaut?

Eine Theorie besagt, dass dieser Ort einst ein Übungsfeld für Shugendō-Praktizierende (Yamabushi, Bergasketen) war und als „Dōjō“ diente, wo viele Yamabushi zusammenkamen, um ihre Rituale und Übungen zu vollziehen. Eine andere Theorie besagt, dass es ein offener Raum war, in dem sich Menschen aller Schichten versammeln konnten, um Feste und Zeremonien abzuhalten. Es vermittelt noch heute die damalige Form des Glaubens, bei der „Kami und Menschen gemeinsam feierten“.

2. Der Ehrgeiz des Minamoto-Klans und das „Kumano des Nordens“

Die Gründung dieses jinja reicht in die Mitte der Heian-Zeit zurück, ins Jahr 1055 (Tenki 3). Es begann damit, dass Minamoto no Yoriyoshi und sein Sohn Yoshiie, die zur Befriedung von Ōshū im „Früheren Neunjährigen Krieg“ aufbrachen, zu den drei Kumano Sanzan-Schreinen in Kishū (Wakayama Prefecture) für einen Sieg beteten. Nach ihrem Triumph brachten sie dort einen Ableger des Schreinkultes hierher.

Tatsächlich wurden in Aizu, genau wie beim Hauptsitz in Wakayama, Ableger der drei jinja „Hongū, Shingū und Nachi“ hierher gebracht. Dahinter verbirgt sich ein grandioser historischer Hintergrund: Yoshiie wollte das Tohoku-Gebiet nicht nur physisch, sondern auch durch spirituelle Macht regieren, indem er das Aizu-Becken als „zweites Kumano“ konzipierte.

3. Der „Goldene Teppich“ und der „Milch-Ginkgo“, die 800 Jahre Geschichte prägen

Der riesige Ōichō-Baum, der auf dem Schreingelände emporragt, soll von Kamakura Gongorō Kagemasa, einem Vasallen von Minamoto no Yoshiie, gepflanzt worden sein.

Dieser Baum hat eine besondere Eigenheit. Von seinem Stamm hängen mehrere keulenartige Luftwurzeln herab, die „chichi“ genannt werden. Seit alters her sind sie ein Objekt des Glaubens, dass sie „die Muttermilchproduktion fördern“.

Jedes Jahr von Mitte bis Ende November, wenn dieser riesige Ginkgo seine Blätter verliert, wird der gesamte Boden des Nagatoko von gelben Blättern bedeckt. Es entsteht ein fantastischer Anblick, als ob ein „goldener Teppich“ ausgelegt wäre. Die Beleuchtung in dieser Zeit ist von einer Schönheit, die wahrlich nicht von dieser Welt ist.

4. Die wundersame Wiederauferstehung nach dem Keichō-Erdbeben

Im Jahr 1611 (Keichō 16) wurden viele der Schreingebäude des Shingu Kumano jinja durch ein großes Erdbeben, das die Aizu-Region heimsuchte, zerstört. Nur das Nagatoko konnte 1614 unter Wiederverwendung der alten Materialien wiederaufgebaut werden, wodurch es die Spuren der Heian-Zeit bis in die Moderne bewahren konnte.

Sein heutiges Erscheinungsbild wurde 1974 durch eine umfassende Restaurierung noch originalgetreuer wiederhergestellt. Die Anordnung der 44 Säulen symbolisiert die Stärke, mit der es zahlreiche Katastrophen überstanden hat, und eine Schönheit, die über die Zeiten hinweg geliebt wird.

5. Das alte Mysterium, das sich in der ‚Komabashi‘ verbirgt

Die Brücke über den Fluss, der vor dem Torii des jinja fließt, wurde einst „Komabashi“ genannt. Warum gibt es tief in den Bergen von Aizu eine Brücke, die den Namen „Koryo“ trägt, den Namen eines alten koreanischen Königreichs?

In der Nähe wurden Sueki-Keramiken ausgegraben, was zu der romantischen Theorie führt, dass in der Antike Einwanderer vom Kontinent oder der Halbinsel in dieses Gebiet zogen und fortschrittliche Technologien und Kulturen einführten. Möglicherweise war dieser Ort schon vor der Ausbreitung des Kumano-Glaubens ein besonderer Ort, an dem sich verschiedene Kulturen kreuzten.

Der Shingu Kumano jinja ist nicht nur ein historisches Gebäude. Wenn Sie den Wind spüren, der durch das Nagatoko ohne Wände weht, und unter dem golden glänzenden Ōichō stehen, werden Sie spüren können, wie die Gebete und die Ehrfurcht der Menschen vor 1000 Jahren noch immer an diesem Ort lebendig sind.

Weiterführende Links und Referenzen

Von ando